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Blindenschrift: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Blindenschrift: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Dass zum Lesen und Schreiben nicht immer die Augen benötigt werden, beweist die Blindenschrift. Hier erfährst du, was die Blindenschrift genau ist, welche Schriftarten es gibt und wie sie funktioniert.

Was ist die Blindenschrift?

Bei der Blindenschrift handelt es sich um Schriftsysteme, die durch das Tasten mit dem Finger inhaltlich erschlossen werden können. Auf diese Weise können auch Menschen, die ihre Augen nur noch teilweise oder gar nicht mehr verwenden können, Lesen und Schreiben lernen. Die bekannteste und meist verwendete Blindenschrift ist die Brailleschrift, welche 1845 in Frankreich entwickelt wurde.

Welche Arten von Blindenschrift gibt es?

Unter dem Begriff Blindenschrift werden alle Schriftsysteme zusammengefasst, die ohne das Sinnesorgan Auge gelesen werden können. Neben der weit verbreiteten Brailleschrift gibt es also noch mehr solcher Blindenschriftarten, die heute teilweise mehr und teilweise weniger genutzt werden. Man unterscheidet zunächst die Relief- und die Punktschrift.

Reliefschrift: Die Schriftzeichen bestehen aus geprägten Buchstaben oder geometrischen Figuren.

  • Moonalphabet (bekannteste Reliefschrift, besteht aus einfachen geometrischen Figuren, 1845 von Dr. William Moon entwickelt)
  • Stachelschrift (Darstellung der lateinischen Buchstaben in Punkten, 1807 von Johann William Klein erfunden)
  • Haüy-Alphabet (erhaben und geschwungen dargestellte Buchstaben, 1784 von Valentin Haüy entwickelt)

Punktschrift: Die Schrift besteht ausschliesslich aus Punkten ohne visuelle Funktion.

  • Nachtschrift (System aus zwölf tastbaren Zeichen, von Charles Barbier de la Serre)
  • Brailleschrift (Weiterentwicklung der Nachtschrift, bestehend aus sechs Punkten, 1825 von Louis Braille)
  • Computerbraille/Eurobraille (8-Punktesysteme, speziell für die Arbeit am Computer entwickelt)

Wie werden bei der Punktschrift bzw. Brailleschrift die Buchstaben in Punkte übersetzt?

Ein Schriftzeichen in der Brailleschrift wird immer auf einem Raster aus 3 Zeichen in der Höhe und zwei Zeichen in der Breite dargestellt. Durch die möglichen Kombinationen aus gestanzten und nichtgestanzten Punkten ergeben sich insgesamt 64 verschiedene Variationen, die jeweils ein Zeichen darstellen. Nur ein Punkt oben links steht beispielsweise für ein A, ein Punkt oben links und ein Punkt mittig links ergibt ein B. Diphthonge wie „ei“ oder „au“, sowie „ch“, „sch“ und „st“ haben in der deutschen Sprache darüber hinaus ihre eigenen Braillezeichen. Ein Unterschied zwischen Gross- und Kleinbuchstaben wird bei der Brailleschrift nicht gemacht. Alle deutschsprachigen Länder folgen dabei den Regeln der 1998 beschlossenen Reform der deutschen Blindenschrift. Andere Sprachen haben für die Brailleschrift ihre eigenen Reformen und Regeln, sofern sie sie verwenden.

Wie werden bei der Punktschrift bzw. Brailleschrift Symbole und Zeichen übersetzt?

Die meisten Symbole, Zeichen und Sonderzeichen haben genau wie die Buchstaben eine direkte Zuordnung zu einer Punktkombination. Nur wenige Zeichen wie beispielsweise das Plus und das Ausrufezeichen sind doppelt belegt. Ausserdem entsprechen die Braillezeichen der ersten 10 Buchstaben des lateinischen Alphabets jeweils den Zahlen von 0 bis 9, wobei das A der 1 entspricht und das J der 0. Für die Verwendung der Brailleschrift in der Mathematik wurde eigens ein System entwickelt, das auch Mathematikschrift genannt wird. Auch gibt es eine festgelegte Schreibweise von Ordnungszahlen, Datumsangaben, Brüchen und ähnlichen zahlenbasierten Angaben. Da für die moderne Computersprache wesentlich mehr als 64 Zeichen nötig sind, wurde das sogenannte Computerbraille entwickelt, welches aus einem 8-Punktesystem besteht. Dadurch ergeben sich 256 Variationen von erstellbaren Zeichen.

Wie wird die Brailleschrift gedruckt?

Genau wie die Schwarzschrift kann die Brailleschrift heutzutage einfach auf Papier oder Karton gedruckt werden. In der Regel werden dafür sogenannte Punktschriftmaschinen verwendet. Diese bestehen aus insgesamt nur sechs beziehungsweise acht Tasten, die jeweils für einen Punkt im Raster stehen. Zusätzlich ist manchmal noch eine Leertaste vorhanden. Für die Prägung eines Buchstabens oder Zeichens müssen die entsprechenden Tasten im Akkord, also gleichzeitig, betätigt werden. Heute sind Punktschriftmaschinen in der Regel nicht mechanisch sondern digital, sodass das Geschriebene auf einem Medium gespeichert werden kann. Neben den Schriftmaschinen sind auch Schreibtafeln und Bandprägegeräte in Gebrauch.

Kann ich die Brailleschrift auf der ganzen Welt verwenden?

Im Jahr 1916 wurde zuerst die einheitliche englische Brailleschrift beschlossen. Andere Länder aus dem romanischen Sprachraum, die mit dem lateinischen Schreibsystem arbeiteten, zogen nach. Sprachspezifische Änderungen umfassen hauptsächlich bestimmte Umlaute oder Akzente, da diese von Sprache zu Sprache unterschiedlich sind. Länder, die zum Schreiben ihrer Sprache nicht die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets verwendeten, mussten grössere Anpassungen vornehmen. Sowohl in China als auch in den arabischen Ländern wird beispielsweise trotzdem das Braillesystem verwendet, sodass theoretisch untereinander kommuniziert werden kann. Selbstverständlich muss man dafür mit der jeweiligen Sprache und den Bedeutungen der Zeichenfolgen vertraut sein.

Auf welche Weise lernen blinde Menschen die Blindenschrift?

Es fällt insbesondere Kindern leicht, die Blindenschrift zu erlernen. Für diesen Zweck gibt es unter anderem Spielzeug und kinderfreundliche Schreibmaschinen sowie Kinderbücher, die ihnen die Blindenschrift und die dafür erforderliche Navigation der Finger spielerisch beibringen sollen. Blinden Kinder, die die Chance haben, eine Schule für Sehbehinderte zu besuchen, wird dort ebenfalls der Umgang mit der Blindenschrift gelehrt. Natürlich gibt es auch ein grosses Angebot an Lern- und Übungsmaterialien, welches Erwachsenen das Lernen der Blindenschrift erleichtern soll. Darüber hinaus bieten verschiedene Zentren für Blinde entsprechende Kurse an, die das Ziel haben, Erblindete in das gesellschaftliche Leben zu integrieren und daher auch die Blindenschrift in ihrem Programm anbieten.

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